Ein Ende

Wenn sich zwei parallele Linien berühren, ist die Zeit gekommen zu erkennen, dass es zu Ende geht. Die Bügelfalten in der weißen Hose des Arztes, die vorher bis in alle Ewigkeit eine parallele Beziehung gehabt zu haben schienen, treffen nun in einem unbestimmten Winkel aufeinander. Während ich so daliege, erkenne ich dass die Aufmachung dieses Richters zwischen Leben und Tod die Lage seines Patienten widerspiegelt. Mein ganzes Leben wurde von zwei Parallelen bestimmt.

Links, Rechts.

Neugier und Information.

Moral und Rückgrat.

Wahrnehmung und Bedeutung.

Um nur einige zu nennen. Doch jetzt? Die Linien berühren sich, die Matrix meines Lebens verändert sich, ich erkenne, dass ein Kreis keinen Anfang, aber auch kein Ende hat. Diese Erkenntnis verschafft mir eine ungeheure Erleichterung. Ein inneres Lachen und ein inneres Weinen tönen in meinem Kopf und doch auch von irgendwo außen. Ich entspanne mich und schließe meine Augen. Ich sehe schon meinen Körper auf dem Operationstisch liegen, bemerke ein helles Licht, welches mich langsam aber sicher davon schweben lässt-

da fällt mir ein Zitat ein, ein letztes noch:

Der Kreis hatte sich vollendet, denn Lachen und Weinen sind ja erst das ganze Herz des Menschen.

– Grock

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